Zur Nachhaltigkeit unserer Therapie gehört die Behandlung der Ursachen und nicht nur der Symptome. Oft sind Schmerzen und Muskelverspannungen lediglich die Spitze des berüchtigten Eisbergs und der Großteil der Problematik liegt unter dem Wasserspiegel. So würde die Behandlung der beschriebenen Symptome lediglich dem offensichtlichen Teil des Problems dienen, aber nicht die Ursächlichkeit des Problems lösen. Die alleinige Behandlung der Symptome kann auch mit einem Brandalarm verglichen werden, bei dem nur die Brandmeldeanlage abgestellt wird. Hier wird lediglich der Signalgeber stumm geschaltet, ohne dass eine Kontrolle erfolgt, ob und wo es denn brennt – eine weitere Metapher für wenig Nachhaltige Therapie.

Zugegebenermaßen ist es auch nicht immer so einfach, die Ursachen der Beschwerden eines Patienten zu entschlüsseln. Ein Großteil der Beschwerden, die wir als Physiotherapeuten behandeln, sind sogenannte unspezifische Beschwerden. Bei dieser Art der Beschwerden sind keine zugrundeliegende Krankheit bzw. keine strukturellen Veränderungen nachweisbar. Das bedeutet, dass medizinische Untersuchungen wie Röntgen, MRI, Blutuntersuchung etc. ohne Befund bleiben. Hier gilt es, die Ursächlichkeit oft in den Haltungs- und Bewegungsmustern des Patienten ausfindig zu machen und beeinflussende Faktoren festzustellen. Häufig kristallisiert sich eine zu hohe Belastung oder eine herabgesetzte Belastbarkeit des Körpers oder einzelner Regionen als Ursache des Problems heraus. Die Wiederherstellung der Balance zwischen Belastung und Belastbarkeit wird somit das Ziel der Therapie. Das heißt, dass entweder die Belastung über angepasste Haltungs- und Bewegungsmuster reduziert wird oder die Belastbarkeit durch gezielte Mobilisation oder durch spezifisches Training erhöht wird.

Bei sogenannten spezifischen Beschwerden mit zugrunde liegenden Erkrankungen und/oder strukturellen Veränderungen ist die Ausgangslage komplexer. Strukturelle Veränderungen sind häufig nur in geringem Maße durch Therapie zu beeinflussen. Grundsätzlich kann ein Therapeut die Funktion des Gewebes verbessern, aber ein Neuaufbau von z.B. Gelenksknorpel durch konservative Therapieformen wie die Physiotherapie ist nicht bzw. nur in einem äußerst geringen Maß möglich. Ähnlich wie bei den unspezifischen Beschwerden gilt es auch hier, den entscheidenden provozierenden Faktor innerhalb der Balance von Belastung und Belastbarkeit zu finden. Zur Therapie werden Kompensationsstrategien wie angepasste Bewegungsabläufe, Entlastung der Gelenke durch den gezielten Einsatz der Muskulatur und optimierte Haltungs- und Bewegungsmuster eingesetzt.

Für eine solche physiotherapeutische Befundung ist natürlich ausreichend Zeit nötig. Daher nehmen wir uns für die Erstuntersuchung unserer Patienten 30 Minuten statt der durch die Krankenkassen vergüteten 20 Minuten Zeit. Durch diese Art des Befundes legen wir die Basis für eine Nachhaltige Therapie, welche im Laufe der Behandlung auch durch ein adäquates Selbstmanagement unterstützt wird. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.